Die Rössinger Kirche St. Peter und Paul

(Verfasserin: Helga Fredebold)

Als Gründungszeit unserer Kirche St. Peter und Paul nimmt man die Jahre zwischen 1282 und 1297 an. Rössing gehörte damals zum Hildesheimer Kirchensprengel. Sie ist eine gotische Bruchsteinkirche und wurde nach der Überlieferung von den Herren von Rössing gestiftet, die sie auf ihrem eigenen Grund und Boden erbauen ließen. Sie haben auch das Kirchenpatronat inne. Dadurch haben sie Einfluß auf die Auswahl der Pastoren und früher auch der Lehrer und waren zur Unterstützung der Kirche verpflichtet.

Einziger äußerer Schmuck unserer schlichten Kirche ist ein Wappenstein an ihrer Südwestecke. Er erinnert an die Brüder Lippold und Dietrich von Rössing. Der sandsteinerne Eckstein war ganz mit Efeu zugewachsen und gar nicht mehr zu sehen. Unter einem gotischen Helm trägt die Westseite das wohl ältere Rosenwappen, während auf der Südseite der Hohenbüchener Löwen das Wappenschild ziert, den die Herren von Rössing noch heute in ihrem Wappen führen.

Der älteste Teil der Kirche ist der Turm. Seine Mauern sind doppelwandig und mit Schutt gefüllt. In den mittelalterlichen Fehden suchten die Bauern darin Schutz vor den Feinden, aber manches Mal wurde der Turm auch bei solchen Gelegenheiten abgefackelt. Das große Fenster war ursprünglich nicht vorhanden, es wurde später hineingebrochen. Im Innern des Turms befindet sich eine echt gotische, steinerne Wendeltreppe mit eingearbeiteter Spindel.

Ursprünglich war das Kirchenschiff schmaler und auch nur halb so lang, bis etwa zur heutigen Seitentür, der alte Dachanschnitt ist noch am Kirchturm zu sehen. 1755 wurde das Kirchenschiff auf die heutigen Größe erweitert und mit der hölzernen Inneneinrichtung im sogenannten Bauernbarock ausgestattet. Der Altar mit der Kanzel und dem Schalldeckel ist typisch Barockstil. Bauernbarock heißt es darum, weil es etwas einfacher und mit nicht ganz so viel Schnitzwerk versehen ist wie das das höfische Barock.

Damals, 1755, wurden auch auf den Emporen rechts und links von der Altarwand geschlossene Kirchenstühle für die Gutsherrschaft gebaut. Man nannte sie Priechen. Es waren geschlossene Kabinette mit flachbogigen Fensteröffnungen zur Kanzel hin, die sogar noch kleine Vorhänge hatten, die allerdings nie zugezogen waren. Sie sind durch eine extra Pforte hinter der Altarwand zu erreichen. Die linke Prieche war für den Patronatsherrn und seine Familie bestimmt, also für die Familie von Rössing, die rechte für den Gutspächter. Denn das "Adelige Gut" war während seiner langen Geschichte immer wieder längere Zeit verpachtet.

Auch die Bauernfamilien, hatten in der Kirche ihre angestammten Plätze, die mit einem Namensschild versehen waren. Die Meier und Halbmeier, die nach dem Gut die größten Höfe hatten, saßen links neben dem Altar im Chor, die Kötner im Mittelschiff und niemand anders durfte sich auf ihren Platz setzen.

Als die Kirche 1934 renoviert wurde, wurden die Namensschilder entfernt, aber der Platzanspruch blieb noch lange bestehen. Damals wurde die hölzerne Inneneinrichtung in milchgrün-grauen Farbtönen gestrichen. Zu dieser Zeit war auch noch das alte Kirchengestühl mit den schmalen Bänken vorhanden, das zwar sehr hübsch aussah, aber sehr unbequem war.

 

1970 wurde dann die Kirche wieder renoviert. Die Gutspriechen wurden als nicht mehr zeitgemäß entfernt, der Fußboden mit den roten Platten versehen und ein neues Gestühl angeschafft. Die bis zur Renovierung an den Kassetten der Emporen angebrachten Tafeln mit den Namen der Gefallenen der Weltkriege 1914-1918 und 1939-1945 wurden zu einer Ehrentafel zuammengefaßt und in der Kirchturmhalle aufgestellt. Bei der letzten Renovierung von 1970 wurde die grüne Farbe durch die ursprünglichen Barockfarben Gelb und Weiß ersetzt. Das unbedingt dazugehörige Gold wurde dann allerdings aus Sparsamkeit nur sehr spärlich verwendet.

Für 1999 stand die nächste Kirchenrenovierung an. Auch die neue Farbgebung hält sich an das klassische Gelb-Weiß, und diesmal ist das Gold reichlicher ausgefallen.

Der Taufständer trägt die Jahreszahl 1777 und wurde von Familie Hanekopen gestiftet.

 

Glocken

Im Turm hängen drei Glocken aus Bronze, dabei ist eine mittelalterliche ehemalige Schlagglocke. Dieses Geläut wurde nach 1968 neu zusammengestellt (a1, c2, f2).

 

 

Orgel

Bereits im 18. Jahrhundert besaß die Kirche eine Orgel, denn nach der Überlieferung wurde diese 1755 durch den Orgel-Baumeister Johann Daniel Hagen aus Elze abgebrochen und im Pfarrhaus gelagert.

 

Die jetzige Orgel stammt von Ph. Furtwängler und Söhne, Elze und ist aus dem Jahre 1875. Der erste Umbau erfolgte 1934 durch Firma Wetzel, Hannover nach Plänen des Orgelrevisors Drömann. Der zweite grundsätzliche Umbau (neue Traktur) erfolgte 1972 durch die Firma Hillebrand, Altwarmbüchen unter Mitwirkung von Orgelrevisor Davin, Sarstedt. Die Orgel besitzt zwei Manuale, ein Pedal und entsprechende Nebenzüge. Der Prospekt (Neurenaissance 1875) hat unter dem mittleren Rundbogen zwölf große Pfeifen, flankiert von je einem Rundbogen mit 12 höhergestellten kleineren Pfeifen.

(Quelle: Die Orgeln des ehemaligen Kreises Springe)

 

Kirchturmuhr

Statt einer Kirchturmuhr hat unsere Kirche eine andere Besonderheit. An ihrer Südwestecke befindet sich nämlich in einigen Metern Höhe eine Sonnenuhr.

Die Kirchengemeinde